Bildungsmarketing – Notwendigkeit für Bildungsorganisationen?

„Meilenstein oder Mogelpackung?“ So lautete eine Überschrift der ZEIT vom 29.07.2010*. Damals sollte die Werkrealschule (WRS) als eine neue Schulform die Hauptschule (HS) ersetzen bzw. attraktiver machen. Zwei Jahre später wurden 2012 innerhalb kürzester Zeit Gemeinschaftsschulen (GMS) als weitere Schulart in Baden-Württemberg eingeführt. Diese Einführung ging mit dem Versprechen einher, dass die Lernenden „aller Begabungen und Leistungsstärken miteinander und voneinander lernen können“**.

Neben ideologischen Zielen galt es der sinkenden Schülerzahl an WRS entgegenzuwirken sowie Schulstandorte zu sichern***. So wurden insbesondere in ländlichen Gebieten aus einer Vielzahl an WRS kurzerhand GMS. Im Vergleich dazu haben sich relativ wenig Realschulen (RS) zur GMS entwickelt***. Auch hier darf die Frage gestellt werden „Meilenstein oder Mogelpackung“*?

Unter marketingtechnischen Aspekten ist die eben beschriebene Entwicklung nicht wirklich als Meilenstein zu definieren, denn auch die WRS als neue Bildungsmarke vermochte es nicht, das negative Image der HS zu verbessern.

Wir sind der Ansicht, dass die geringe Nachfrage der Haupt- und Werkrealschulen nicht auf einer schlechten Arbeitsweise oder einer grundsätzlich schlechten Schule basiert. Haupt- und Werkrealschulen waren und sind heute noch wichtige Marken im dreigliedrigen Bildungssystem von Baden-Württemberg. Wir vertreten die These, dass die Landespolitik es letztendlich nicht geschafft hat, eine Imagekampagne zur Verbesserung des Imageproblems, mit der die WRS in der Vergangenheit zu kämpfen hatten und derzeit noch haben, zu starten. Diese hätte mittels einer durchdachten Marketingstrategie und der massiven Kommunikation in Form einer breit angelegten Marketingoffensive, den positiven Kern und Mehrwert für die Bildungslandschaft sowie den Wettbewerbsvorteil, den diese Schulart auch für ihre Schülerschaft mit sich bringt, hervorgehoben.

Die WRS wurde aus Sicht von JAMM Die Bildungsmanager zu schnell zugunsten einer unbekannten Marke (GMS) aufgegeben, die selbst noch vielen kritischen Fragen standhalten muss, z.B. ob sie wirklich das zu leisten vermag, was die grün-roten Bildungspolitiker seinerzeit von ihr erwarteten***?

 

Müssen Lehrer verbeamtet sein?

Verbeamtung auf Lebenszeit, ein hoher Anteil an selbstbestimmter Arbeit, eine gute Vereinbarkeit mit der Familie und eine noch akzeptable Altersversorgung. Das sind die positiven Aspekte, die einem beim Stichwort Lehrer als erstes einfallen. Ein Problem, denn diese Aspekte ziehen laut Professor Schaarschmidts, einem Schulforscher, der sich seit den 90ern mit der Lehrerausbildung beschäftigt, ungeeignete Lehramtsanwärter an. Nach seinen Erhebungen geben nur 13 Prozent der Abiturienten, für die das Lehramt infrage kam, an, sich gut durchsetzen zu können. 16 Prozent der infrage Kommenden reden gern vor einer großen Gruppe. Basiskompetenzen, die nur schwer erlernbar sind*.

Der Lehrerberuf zieht aufgrund seiner strukturellen Rahmenbedingungen sicherheitsorientierte und ängstliche Persönlichkeiten an. Wir fordern, die Rahmenbedingungen an Schulen zu verändern, denn nicht die Ausbildung ist das Problem, sondern die Anreize, diesen Beruf auszuüben. 
Braucht es die Verbeamtung? Wir denken: NEIN. 
Durch die Abschaffung der Verbeamtung und eine zeitgemäße Bezahlung könnte ein erster Schritt getan werden, um sicherheitsorientierte Menschen nicht in einen für sie vielleicht ungeeigneten Beruf zu locken, in dem sie sich meist trotz Frustration und psychischem Stress bis zur Pensionierung durchschleppen. 

© 2019  JAMM DieBildungsmanager GbR

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